Pilgerreise Heiliges Land 2014

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„Wo geht’s denn hin?“ fragen die Kollegen in Deutschland. Nach der Antwort: vor allem gemischte Gefühle in punkto Sicherheit. Andere Gruppen, die jetzt dort sein sollten, hätten kurzfristig noch abgesagt. Ein anderer Kollege, gebürtiger Palästinenser aus der Westbank, ist zur gleichen Zeit, wenn wir in Israel sind, in seiner Heimat und freut sich über das Interesse an seinem Land. Je näher unser Abflug rückt, desto mehr freue ich mich auf die Reise, und Sicherheitsbedenken weichen Gottvertrauen.

Der arabische Buchstabeن   („nun“) wird von der ISIS Terrororganisation verwendet, um die Gebäude der „Nazarener“ (Christen) zu kennzeichnen. Mittlerweile ist der Buchstabe zum Solidaritätszeichen für Christen im Nahen Osten geworden (http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/glaube_2/140723_wearen_solidaritaet_im_netz.php bzw. #WeAreN in sozialen Netzwerken). Ich bin gespannt.

Seh' Euch in Frankfurt!

Georg Komesker

Pilgern ist in. Seit Harpe Kerkeling „Ich bin dann mal weg!“ schrieb, kennt man den Jakobsweg nicht nur als europäischen Wanderweg, sondern auch als inneren Weg. Als einen Weg zu sich selbst, als Glaubensweg. Wenn wir in den kommenden zwölf Tagen pilgern, dann wollen wir mehr als besichtigen. Dann wollen wir Pilger sein, uns von Touristen unterscheiden.

 

In der Hirtenhöhle in Bethlehem wird das besonders deutlich. Das ist kein Ort, den es sich zu besichtigen lohnt. Einfach eine Höhle mir rußgeschwärzter Decke. Ein paar Stühle stehen drin und ein einfacher Altar. Uns erwartet keine Steinzeitmalerei, kein Kunstwerk und kein Naturphänomen. Für einen Touristen kein lohnendes Ziel. Wir werden hier aber eine Stunde sein und Gottesdienst feiern.

 

Lediglich der tiefe Glaube, dass hier, oder in der Nähe die Hirten lagerten, als der Retter der Welt geboren wurde, wird uns an diesen Ort führen. Damit wird die Höhle zum inneren Ort. „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in Dir, Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren“ so formulierte der Mystiker Angelus Silesius. Es geht beim Pilgern um dieses Innere und die Heruzenssuche nach Gott.

 

Es braucht dazu die mühsame Reise in den Orient, weil Körper und Seele nicht zwei streng getrennte Bereiche unserer Selbst sind. Die heiligen Orte helfen uns, den Weg zu unserem Inneren zu finden. Der Raum der Höhle ruft in mir das Bild der heiligen Nacht hervor. Wenn ich dann mitten im Oktober singe: „Zu Bethlehem geboren“, dann bin ich körperlich in Bethlehem und meine Seele hat es leichter die Zeile „mein Herz will ich ihm schenken“ nachzuvollziehen. Weihnachten verändert sich, wird unmittelbar, wird berührbar, rührt mich außen und innen an.

 

Natürlich sind Pilger auch Touristen. Manch heiliger Ort ist auch ein wichtiges Reiseziel für Menschen, die nicht glauben. Ein guter galliläischer Merlot, schmeckt auch dem suchenden Pilger. Ein Bad in Toten Meer macht einfach nur Spaß. Pilgern bedeutet nicht ununterbrochen fromm sein. Aber Pilgern bedeutet offen werden für den „genius loci“, den guten Geist, der in einem konkreten Ort steckt. Nicht immer und überall, aber doch aufmerksam bei sich bietender Gelgenheit.

 

Das braucht übrigens auch Zeit. Darum habe ich mich entschieden, zwölf Tage mit Ihnen zu pilgern. Das wurde teurer, aber es schenkt Zeit, um die innere Reise besser aufnehmen zu können.

 

Ein zentraler Pilgerort ist der Tempelberg in Jerusalem. Wir werden ober an den wichtigen Heiligtümern des Islam vorbei gehen. Wir werden unten an der Klagemauer stehen und zwischen jüdischen Betern verweilen. Es ist Brauch in die Ritzen der Klagemauer Papierzettel mit Gebetsanliegen zu stecken. Wollen Sie Anliegen von Menschen in Ihrer Nähe mitnehmen? Sie werden erstaunt sein, wie trostvoll es sein kann, wenn jemand für mich betet, wenn ein Pilger für mich eine Fürbitte in die Ritze der Klagemauer steckt. Dann wird die eigene innere Reise bereichert durch das fürbittende Gebet, die Geste der Solidarität mit den daheim gebliebenen. Dazu dienst nicht nur der Zettel in der Klagemauer, sondern auch die Kerze in der Grabeskirche oder das stille Gebet im Garten Gethsemani.

 

Es ist fast wie Weihnachten – nur noch dreimal schlafen, dann ist Weihnachten, ach nein, dann beginnt unsere Pilgerreise.

Schalom und Salem

Norbert Hark

Hier Bilder von der letzten Reise:

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Boot auf dem See

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 Kapelle auf dem Karmel

 

Wenn ich an Israel denke, dann fallen mir Menschen, Farben, Gerüche, Stimmungen und Gebete ein. All das ist eingelagert in Orte und Landschaften, die sich mir als einmalig ins Herz gelegt haben. Ich habe schon viel auf dieser Erde sehen dürfen, aber die Orte und Landschaften Israels haben eine spirituelle Fülle, die ich sonst nirgendwo erlebt habe. Der Flughafen in Tel Aviv ist so wie jeder andere auch, aber schon die Luft vor dem Terminal atme ich anderes als sonst wo auf der Welt ein und dann während der Fahrt die flache Landschaft, die langsam in die galliläischen Hügel übergeht, beginnt es mich zu berühren. Das ist etwas besonderes. Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere, der übertreibt oder der spinnt. Aber wartet ab, es erfasst Euch auch noch!

Ich freue mich schon sehr auf den See Genesareth, oder das Galliläische Meer, wie es in der Antike hieß. Eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, umringt von Orten voller Bedeutsamkeit und oft recht ruhig, liegt er da, dieser See, der Jesus als Kulisse für seine Predigten diente. Etwas theatralisch sind die Schiffe aufgemacht, die uns Pilger über den See fahren. Gewiss hier ist die Grenze zum Kitsch (fast) erreicht. Aber wenn das Boot den Motor ausstellt und ich die Augen schließe, dann sehe ich mit dem inneren Auge die Szene dicht vor mir:

Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen? (Mk 4,35-41)

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, da malte ich mit einer Hauptschulabschlussklasse ein großes Plakat. Es war vier mal drei Meter groß, also schier unendlich. Die Schüler und Schülerinnen malten mit Begeisterung viele hohe Wellen. Der Höhepunkt war das Malen des kleinen Bootes. So fühlten sie sich. Schutzlos inmitten übergroßer Bedrohungen. Wir konnten über das sprechen, was ihnen Geborgenheit gibt, was ihnen Sicherheit gibt. Ihr Glaube an Gott den Beschützer gehörte auch dazu. Ich wünschte ich hätte die Jugendlichen damals kurz zum See bringen können. Wenn ich in ein paar Tagen die Augen auf dem Boot schließe, dann ist mir die Gänsehaut gewiss.

Zu den Landschaften gehören auch die Gebetsorte, meist Kirchen. Zu Beginn unserer Reise fahren wir auf den Karmel. Einer von vielen „Gipfeln“ die wir besuchen. „Oben“ ist immer auch ein Ort der spirituellen Erfahrung. Hier auf dem Karmel hat der Prophet Elia den Kampf gegen die gottlosen Mächte der feindlichen Umwelt gekämpft. Es war gar nicht so leicht die Gottesfeindlichkeit der Baalspropheten zu erkennen. Die Vertonung von Felix Mendelssohn Bartholdy macht dies überaus deutlich. Es ist auch klar, dass, ganz wie bei Elia, nicht immer die Mehrheit der Stimmen den wahren Weg weist. Gottessuche kann auch sehr einsam machen. Aber die Kunst der Unterscheidung zwischen göttlichen und gottlosen Mächten gehört für jeden Gottessucher dazu. In einer kleinen Kapelle auf dem Karmel werden wir beten. Ganz so wie Elia. Vermutlich fährt Gott nicht in einem Blitz nieder, um seine Macht und Stärke zu demonstrieren, aber bestimmt kann es eine sanfte und leise Gottesahnung in meinem Herzen geben, die mich in meinem Lebensweg stärkt.

Ahab ging Elija entgegen. Sobald er ihn sah, rief er aus: Bist du es, Verderber Israels? Elija entgegnete: Nicht ich habe Israel ins Verderben gestürzt, sondern du und das Haus deines Vaters, weil ihr die Gebote des Herrn übertreten habt und den Baalen nachgelaufen seid. Doch schick jetzt Boten aus und versammle mir ganz Israel auf dem Karmel, auch die vierhundertfünfzig Propheten des Baal und die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen. Ahab schickte in ganz Israel umher und ließ die Propheten auf dem Karmel zusammenkommen. Und Elija trat vor das ganze Volk und rief: Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten? Wenn Jahwe der wahre Gott ist, dann folgt ihm! Wenn aber Baal es ist, dann folgt diesem! Doch das Volk gab ihm keine Antwort. (1Kön 18, 16-21)

Die Gottessuche des Propheten endet ganz leisse an einem anderen Berg, den wir freilich nicht besuchen werden, auf dem Horeb:

Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. (1Kön 19,8-13)

Schalom und Salem, bis in vier Tagen
Norbert Hark

Mich erreichten Mails mit praktischen Fragen. Weil diese Fraghen auch andere interessieren könnten, hier meine Antworten:

Frage: Wie sieht es eigentlich mit kurzen Shorts (bis zum Knie) aus die ich bei solchen Temperaturen gerne tragen würde ? Mit diesem hat man ein Problem die ein oder andere Örtlichkeit zu besichtigen ? Alternative: Im Rucksack eine lange Hose mitführen ? Wie handhaben Sie das denn bei den sommerlichen Temperaturen die uns erwarten ?

Antwort: Natürlich sind kurze Hosen angenehm und an vielen Orten kein wirkliches Problem. Allerdings ist die orientalische Kultur deutlich zurückhaltender, als die derzeitige europäische. Ich verzichte ganz auf kurze Hosen und habe leichte lange Hosen. Dreiviertel Hosen, also etwas über das Knie gehende, sind kein Problem. Gute Erfahrungen gibt es auch mit sogenannten zippoff Hosen, bei denen man das untere Drittel mit einem Reißverschluss lösen kann. Grundsätzlich gilt, dass die Luftfeutigkeit nicht so hoch ist, wie bei uns und darum die Wärme angenehmer ist. Die große Hitze des Sommers ist sowieso vorbei.

Bei der „heiligen Kleidung“ kann man sich mit Tüchern helfen, was zumindest für die Schultern gut geht. Grundsätzlich würde ich im Rucksack, oder im Bus etwas mitnehmen, um „ordnungsgemäß gekleidet“ zu sein. Der Bus begleitet uns die ganze Zeit und dort kann man problemlos Dinge verstauen. Allerdings kommen wir nicht immer sofort an den Bus. Aber es wird immer klar sein, wann wir den Bus das nächste Mal erreichen.

Frage: Bekommen wir für den Flug noch einen Buchungscode (um einen Online Check-In durchzuführen) oder ist der Check-In dann für die ganze Gruppe erst am LH-Schalter möglich?

Antwort: Bei den Flugtickets handelt es sich um sogenannte elektronische Tickets. Ich habe nur eine Bestätigung der Buchung erhalten, die ich bei Problemen am Schalter vorlegen könnte. Die Reisenden müssen sich lediglich mit den Reisepass ausweisen, dann erhalten wir die Bordkarten. Wir werden voraussichtlich zusammen sitzen, so dass eine individuelle Platzsuche, auch mit online Check-in nicht möglich ist. Fazit: nach alter Manier werden wir morgens alle am Schalter stehen und einzeln einchecken.

Frage: Israel - Danke für den Blog - muss ich mir Sorgen machen ? Habe nämlich bis heute noch kein Ticket ...

Antwort: In Frankfurt sind wir am Gruppenschalter angemeldet. Somit sind die Bordkarten bereits vorbereitet. Telefon der Lufthansa am Flughafen in Frankfurt: 069-86799799.

Frage: Was ist, wenn, wir zu spät kommen?

Antwort: In Israel warten wir mit dem Bus, bis alle zusammen sind. Das Flugzeug hebt auch ohne verspätete Reisende ab. Bitte beachten Sie, dass die Lokführer der Bahn streiken wollen. Das kann eine Zugfahrt unmöglich machen Bitte erkundigen Sie sich auf der Homepage der Bahn. Ich überlege noch, ob ich nicht doch mit dem Auto anreise, wenn der Streik wahrscheinlicher wird. Im Notfall rufen Sie mich bitte an und wir überlegen, was machbar ist. 0176 49 477 560.

 

Senden Sie mir bitte eine Mail, wenn Sie noch Fragen haben. Auch Kleinigkeiten könnten andere Pilger interessieren.


Schalom und Salem

Norbert Hark