Gestern hieß es dem nahenden Ende unserer Pilgerreise ins Auge zu schauen. Schon in aller Frühe besuchten wir den Singgottesdienst in der Grabeskirche. Um 6:30 trafen wir ein, scheinbar zu spät, um noch einen Sitzplatz zu bekommen. Alle Plätze waren von einer amerikanischen Pilgergruppe belegt. Bei den rauen Sitten mit denen in der Grabeskirche mit Pilgern umgegangen wird, war es fast wie ein Wunder, dass die Ordner dann doch noch extra für uns Bänke holten. Der Messe stand ein Bischof vor, der deutlich von Parkinson gezeichnet war. Er sprach vom Leiden Christi und unserem eigenen Leiden. Wir sollen dem Bruder Jesus unser Leid geben, der es mit uns tragen wird. Von diesem gezeichneten Menschen persönliche und überzeugende Worte. Es wurde das lateinische Ordinarium gesungen, für einen Teil der Gruppe recht fremd, für andere wiederum Kindheitserinnerungen.

Leider wurde unmittelbar nach Abschluss der Messe, die Grabeskammer von einer italienischen Gruppe belegt. Wir hatten vorher die Hoffnung ohne Schlange hinein zu kommen. Ein Trost war, dass die Gruppe aus Kindern und jugendlichen bestand, die ja ein Vorzugsrecht bekommen sollen. So schlossen sich für uns die Türen des heiligen Grabes. Der Weg durch das morgendliche Jerusalem ohne Touristenströme gab noch einen eigenen Eindruck. Zufrieden saßen wir um 8 Uhr dann am Frühstückstisch.

Die Fahrt führte zunächst auf einen Aussichtspunkt am Mont Scopus. Das ganze Panorama der heiligen Stadt lag vor uns. Alle wichtigen Punkte sind zu sehen. Ein würdiger Abschiedsort. „Jerusalem, Jerusalem, for ever young, yet for ever old, my songs will sing your songs of glory. Jerusalem.“ So haben wir oft gesungen, so auch jetzt zum Abschied. Wir rezitieren den Psalm 122. Die Worte des Psalms drücken mein Empfingen aus. Lest nach, ihr werdet verstehen.

Von der Höhe Jerusalems mit angenehmen Temperaturen geht es zum Toten Meer, das über 300 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und entsprechend heiß ist. Dort baden wir. Es ist schon ein Erlebnis im Wasser zu schweben. Es ist gleichsam, als wäre man schwerelos. Hier sind wir Badegäste. So ist Pilgern – mal ganz innig und fromm und am Ende auch Urlaub, Erlebnis und Entspannung. Ich bin froh, dass diese Mischung im Heiligen Land möglich ist. Ein allzu frömmelndes Pilgern würde verkrampfen, eine reine Erlebnisreise würde den heiligen Orten nicht gerecht. Der Strand ist leer und wir finden noch genügend Schattenplätze. Unser Guide Shilbly hatte das richtige Gespür.

Die nächste Station ist Qumran. Hier steht ein Bus neben dem anderen. Alle werden nach dem Besuch der Ausgrabungen zum Toten Meer fahren. Qumran ist noch heißer. Die alte Theorie vom Essenerkloster lebt weiter. Sie ist eine Idee des ersten (katholischen) Archäologen. Hier war früher aber eine Siedlung, die von Tonarbeiten, Landwirtschaft und der Sicherung des Handelsweges lebte. Vor allem aber sind die Funde der alten Handschriften interessant. Die Juden am Vorabend des jüdischen Krieges 67 n. Chr. hatten die sensationell gute Idee, die Schriften hier zu verstecken. Sie wurden erst gefunden, als ihr wirklicher Wert erkannt werden konnte und ihre Konservierung mit heutigen Mitteln sichergestellt werden konnte. Vielleicht hat auch Gott selbst dafür gesorgt, dass seine heiligen Schriften gut aufgehoben wurden.

Dorothea und ich gönnen und noch einen Spaziergang außerhalb des Grabungsgeländes. Hier beginnt ein Wanderweg, der in die Wüste führt. Das juckt mir gewaltig in den Zehen. Die Felsen sind von überwältigender Schönheit. Das Panorama über das Tote Meer noch fazinierender als in Qumran. Hier möchte ich weitergehen, doch die Zeit drängt.

 

 

Die Fahrt durch den Jordangraben bereichert uns mit einer Landschaft, die tiefe Eindrücke hinterlässt. Grüne Felder, Palmenhaine, und Gewächshäuser wechseln mit Wüste und Steppe. Im Osten die Berge Jordaniens mit einer ganze reihe Siedlungen. Am Ende des Westjordanlandes dann die Grenzkontrolle mit bewaffneten Soldaten, die durch den Bus gehen.

Mit Einbruch der Dunkelheit treffen wir in Ein Gev ein. Ein Kibbuz, der eine idyllische Ferienanlage betreibt. Wir sind endlich nicht mehr in einer mehrstöckigen Hotelanlage, sondern in kleinen Reihenhäusern untergebracht. Das Buffet ist schmackhaft und gut gefüllt. Der Kibbuz betreibt Landwirtschaft und dass merkt man an der Kost. Alles ist sorgfältig zubereitet. Zudem stimmt der Service. Und der Wein ist nicht nur ausgezeichnet, sondern auch noch erschwinglich. Was wollen wir denn mehr?

Heute ist Ruhe und Badetag. Es gibt nur zu berichten, dass die Hängematten unter den Palmen stets belegt sind und das Wasser im See Genesareth warm ist. Heute kommt der letzte Abend, den wir entsprechend begehen werden.

Schalom und Salem