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Am 3.11. trafen sich ca. 40 engagierte Christen und Angehörige der Gremien aus allen vier Wetzlarer Stadtgemeinden zu einem Synodaltag. Der Tag war in 2 thematische Einheiten aufgeteilt:

  • Vormittags wurde die Frage behandelt: Wie nehmen sich die Gemeinden von innen wahr?
  • Nachmittags waren vier Vertreter aus dem öffentlichen Leben zu einer Podiumsdiskussion eingeladen zur Frage:
    Wie wird katholische Kirche in Wetzlar von außen wahrgenommen und was erwartet man von ihr?

 

Am Vormittag gaben zunächst 4 Ehrenamtliche ein Statement zu einem Teilbereich des Gemeindeleben aus ihrer Sicht ab:

Dr. Bernfried Klein-Eidam (St. Walburgis) zu Liturgie und Eucharistie:

Bisher erleben wir noch keine Unterversorgung, an jedem Sonntag kann eine Eucharistiefeier in jeder Gemeinde stattfinden. (z. Zt. 3 Priester/ 4 Gemeinden)  Selbst wenn für Wetzlar nur ein Priester zuständig wäre, wäre die Versorgung mit Eucharistiefeiern einigermaßen abgedeckt.

Erwartet werden positiv gestimmte Hauptamtliche, die nicht dauernd erklären, was nicht geht, sondern was geht.

Wortgottesdienste parallel zur Eucharistiefeier sollten erlaubt sein, um an jedem Kirchort am Sonntag einen Gottesdienst zu haben. Daher kam der dringende Appell von Dr. Kleineidam, wieder mit der Ausbildung von Wortgottesdienstleitern zu beginnen.

Ingrid Stowasser (St. Markus) zur Situation im Ehrenamt:

Frau Stowasser legte ihren Werdegang als ehrenamtlich Tätige da. Seit ihrem 16. Lebensjahr war und ist sie in verschiedenen Funktionen in ihrer Gemeinde engagiert. Nach jahrzehntelangem Engagement machen sich allerdings auch Enttäuschung, Frustration und Ausgebranntsein breit. Schwierig ist, dass niemand nachkommt, um die vielen anfallenden Dienste jeglicher Art zu übernehmen. Nach ihrer Darstellung ist Motivation durch die Hauptamtlichen gefragt.

Eva-Maria Baumann-Lerch (Dom) zu neuen Formen in Gottesdienst und Gemeindeleben:

Niedrig-schwellige Angebote erleichtern Außenstehenden den Zugang zur Gemeinde. Mit niedrigschwelligen Angeboten sind bisher gute Erfahrungen gemacht worden, Bsp. Hessentag, Valentinsgottesdienst, Taizégebet. Auch sollten die Gemeinden kreativ mit ihren Möglichkeiten umgehen und schauen, was „vor ihrer Nase liegt“. Zum Dom z.B. kommen täglich viele Besucher, die man noch besser ansprechen könne. Eine Idee dazu wäre ein Café im Heidenhof an Samstagen.

Laura Kunz (Kuratin der DPSG Stamm Barbarossa, Dom) zur politischen Dimension der Kirche:

„Hinterlasse die Welt besser als Du sie vorgefunden hast“ (Baden-Powell) ist das Leitmotto der Pfadfinder.  Die Pfadfinder am Dom sind katholisch, der Gemeinde verbunden, drängen dies den Neumitgliedern aber nicht auf. Pflicht ist jedoch z. B., den Lagergottesdienst und weitere Aktionen (Martinszug, Nikolaus) im Jahresverlauf mitzugestalten. Es gibt die Suche nach Aufgaben, die der Allgemeinheit einen Nutzen bieten. Laura Kunz selbst ist evangelisch, aber die Wertevermittlung an die Kinder und Jugendlichen in der Pfadfindergruppe ist ihr sehr wichtig. Wichtig ist auch eine Toleranz gegenüber anderen Bekenntnissen, die Offenheit allen gegenüber und die Möglichkeiten für Fragen. Die Kinder sollen Kirche als „nett und etwas Schönes“ erleben. Wichtig war für Frau Kunz der politische Bezug, dass die Kirche – hier vertreten in der Gruppe der Pfadfinder – zu allen gesellschaftsrelevanten Themen etwas zu sagen hat bzw. sagen soll.

Anschließend wurden die Themen in 3 Gruppen vertieft (die letzten beiden Themen wurden in einer Gruppe zusammengefasst) und die Ergebnisse von Christian Fahl, Norbert Hark und Theresia Hermann präsentiert. (s. Bilder Pinwand)

Als gemeinsame Punkte schälten sich heraus:

-   Kirche soll „nah bei den Menschen sein“, in den Gemeinden soll weiterhin Leben möglich sein.

-   Offenheit für neue Fragen, neue Menschen, Toleranz.

-   Begeisterung – nur wer selbst begeistert ist, kann andere begeistern. Über Formen von Anerkennung und Unterstützungsmöglichkeiten von Ehrenamtlichen muss neu nachgedacht werden.

-   Das Bewusstsein, dass neue Wege gegangen werden müssen und evtl. liebgewordenes verabschiedet werden muss.

Anschließend trafen sich die Teilnehmer nach Zugehörigkeit ihrer Pfarrgemeinde, um zu besprechen, welche konkreten Punkte in ihrer Gemeinde weiterverfolgt und im jeweiligen PGR behandelt werden sollen (Vereinbarung).

Nach dem gemeinsamen Mittagessen trafen am Nachmittag die Podiumsgäste ein:

  • Mürvet Öztürk (MdL), integrationspolitische Sprecherin Bündnis´90/DIE GRÜNEN
  • Stefan Scholz, Journalist und Vorsitzender der Wetzlarer Goethe-Gesellschaft
  • Manfred Wagner (SPD), Bürgermeister und  Sozialdezernent der Stadt Wetzlar
  • Sven Martens, Center Manager, Forum Wetzlar

Moderation und Diskussionsleitung:  Prof. Dr. Joachim Valentin, Direktor des Katholischen Zentrums  "Haus am Dom", Frankfurt a.M.

Zur Einstimmung auf die Podiumsdiskussion zeigte Pastoralreferent Joachim Schäfer eine Video-Präsentation, in der „Leute auf der Straße“ sich über ihr Kirchenbild äußerten.

Dann begann die Podiumsdiskussion mit der Frage: Wie wird (katholische) Kirche von außen wahrgenommen?

Bürgermeister Wagner schilderte seine Sicht: in Wetzlar liegt eine Diaspora-Situation vor (ca. 10.000 Katholiken/52.000 Einwohner). Auf dem Hessentag war die Kirche sehr gut vertreten. Es gibt immer wieder in seiner beruflichen Arbeit als Sozialdezernent Berührung mit der Kirche: durch Diakonie und Caritas, im Jugendamt, bei der gemeinsamen Eröffnung des Anbaus der KiTa im Westend, in der Zusammenarbeit bei allen Kindertagesstätten, bei der Dombauverwaltung, beim Dienst der Malteser (Essen, Rettungsdienst) etc. .

Herr Scholz: Die Kirche als Institution ist ein wichtiger Träger und Vermittler von Kultur. Kultur prägt unsere gesellschaftliche Identität und Kirche hat ihren Anteil daran seit Jahrhunderten. Kirche ist auch ein wesentlicher Partner bei der Organisation von Zusammenleben.

Frau Öztürk erlebt Kirche als Gesprächspartner im interreligiösen Dialog kompetent, gut aufgestellt und dialogfähig. Eigene Standpunkte werden durchaus deutlich gemacht, aber die Dialogfähigkeit und eine gemeinsame Ebene friedlichen Zusammenlebens seien vorhanden. Nach ihrer Ansicht wurde bisher zu viel zum Gottesverständnis diskutiert, anstatt sich um praktisch lösbarer Probleme zu kümmern. Die agierende Personen vor Ort seien glaubwürdig.

Herr Martens: Die öffentliche Berichterstattung sei oft negativ, z. B. Kriege in Glaubensfragen. Im Gegensatz dazu erlebt er die lokale Gestaltung als sehr positiv, v. a. in der Jugendarbeit. Er habe Schwierigkeiten mit Papst, die Kirche dürfte in der Öffentlichkeit aggressiver/progressiver auftreten.

Gemeinsam war allen Vortragenden, dass die Kirche durchaus positiv wahrgenommen wird, wenn es um konkrete Bezüge bzw. Kontaktpersonen in der persönlichen Arbeit geht.

Eine zweite Runde ging um die Frage: Was sind ihre Wünsche und Ansprüche an Kirche?

Herr Scholz: Die Kultur prägt die Gesellschaft, daher sollte Kirche mehr Veranstaltungen mit/zur Literatur durchführen. Das Stiftsarchiv am Dom sollte öffentlich zugänglich gemacht werden, die gemeinsame Beteiligung mit z.B. der Goethe-Gesellschaft in der Erwachsenenbildung oder in einem gemeinsamen Kulturzentrum ist von ihm gewünscht.

Herr Wagner: Die  derzeitige Umstrukturierung in der kath. Kirche sollte ohne Verlust der Nähe zu den Menschen erfolgen. Im Behindertenbeirat, mit Gebärdendolmetschern in Gottesdiensten, beim KiTa-Angebot könnte die Kirche sich noch mehr einbringen, kirchliche und Migranten-Gremien könnten enger zusammenarbeiten.

Frau Öztürk: Es sollten Räume für Begegnung geschaffen werden, der interreligiöse Dialog könnte verstärkt werden wie auch die Zusammenarbeit in der Flüchtlingsarbeit. Die Mit-Entwicklung einer stärkeren Willkommens-Kultur von Asylanten wurde von ihr gewünscht, mehr interkulturelle Begegnungen (hier lobte sie noch mal ausdrücklich die interkulturelle Jugendarbeit).

Herr Martens: In der Öffentlichkeit ist Kirche heute kaum wahrzunehmen. Man sollte sich präsentieren außerhalb des Üblichen (ähnlich wie Autohändler im Forum ausstellen!) und andere Kontaktangebote schaffen: Kirche sollte dahin gehen, wo die Menschen sind und zeigen, was sie zu bieten hat. Eine Fläche im Forum wurde von Herrn Martens ausdrücklich angeboten, auch ein Rückzugsraum für Gespräche, wenn auch nur temporär.

In einer dritten Gesprächsrunde erhielten die Tagungsteilnehmer Gelegenheit, Fragen an die Podiumsvertreter zu stellen.

Nach einer engagierten Diskussion klang der Synodaltag mit einer Eucharistiefeier in der Michaelskapelle aus.

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Bericht & Bilder: Mechthild Komesker