Gott atmet in uns
Kürzlich war ich das erste Mal in meinem Leben im MRT. Gefühlt dauerte das laute Rattern, Poltern und Klopfen ewig, und unaufhaltsam kroch eine Panik in mir hoch. Die Blöße, den Notknopf zu drücken, wollte ich mir nicht geben, aber zum Glück hatte ich etwas dabei, dessen Kraft mich in wenigen Augenblicken beruhigte: Mein Atem!
Nachdem ich begonnen hatte, tief in den Bauch zu atmen, konnte ich mich tatsächlich entspannen, und positive Bilder stiegen in mir hoch. Die alttestamentliche Lesung am ersten Fastensonntag beginnt mit einem wunderschönen Bild:
„Gott, der Herr, formte den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ (Gen 2,7)
GOTT ist es, der uns den Atem geschenkt hat; GOTT atmet in uns, unglaublich, oder? Bei vielen Meditations- und Gebetspraktiken, z.B. dem Jesus-Gebet, steht er deshalb im Fokus, der Atem. Es wird geübt, sich durch die bewusste Wahrnehmung des Atems mit dem Heiligen, mit Gott zu verbinden.
Wie wäre es denn, während der Fastenzeit, neben den individuellen Verzichts-Vorsätzen, dem oft Atem-losen Alltag regelmäßig einige Augenblicke bewussten Atmens entgegenzusetzen?
Vielleicht mögen Sie sich auch das Gedicht des Schweizer Pfarrers Kurt Marti (1921-2017) ab und an zu Gemüte führen:
„Ungebet“
Da du schon alles weißt, mag ich nicht beten.
Tief atme ich ein, lange atme ich aus.
Und siehe: Du lächelst.
Eine gesegnete, Atem-intensive Fastenzeit wünscht Ihnen und euch allen
Susanne Schmid