Gedanken zum Maria und Fronleichnam

Gedanken zum Maria und Fronleichnam

Ein Glas, durch das Gott scheint

Der Marienmonat Mai geht zu Ende und unser Blick richtet sich auf das Fronleichnamsfest.

Die diesjährige zeitliche Nähe zum Marienmonat Mai lässt mich an eine inhaltliche Verbindung von Maria und Fronleichnam denken: es gibt mitunter die Bezeichnung Marias als „lebendige Monstranz“.

Die Monstranz ist das Gefäß, in dem wir die geweihte Hostie, den Leib Christi an Fronleichnam durch die Straßen tragen, damit er gesehen werden kann. Er wird gezeigt, daher das Wort „Monstranz“, vom lateinischen Verb monstrare, Deutsch „zeigen, auf etwas hinweisen.“

Dabei zeigen nicht nur wir öffentlich unseren Glauben, sondern in ebendiesem Glauben zeigt umgekehrt Gott, dass er unter uns ist und bei uns ist im Sakrament der Eucharistie. Die Fronleichnamsprozession durch die Straßen erinnert uns daran, dass Gott nicht nur im Kirchgebäude wohnt, sondern dass die Kraft der Eucharistie, die wir üblicherweise in der Kirche feiern und empfangen, ausstrahlen kann und will auf unsere Wege und unser Leben draußen. Gott zeigt uns: ich bin der Gott mit euch.

Was hat das mit Maria zu tun? Maria als Gottesmutter trug Jesus in sich, gleichsam wie die Hostie von der Monstranz getragen wird. Sie war von ihm erfüllt. Ihr Leben zeigte vor allem anderen auf ihn hin. Sie trug ihn im Herzen und in ihren Gedanken. Damit erinnert sie uns ebenso daran: Die Eucharistie, die wir empfangen dürfen, soll unser Inneres, unser Denken und unser Alltagsleben in seiner Verbindung mit Gott stärken, sodass Gott nicht nur aus der Hostie hinter dem Glas der Monstranz
heraus in die Welt scheint - sondern aus uns selbst! Er will ins uns sein.

Im Zugehen auf Fronleichnam möchte ich Ihnen daher das folgende Gebet des hl. John Henry Newman mitgeben. Es findet sich im Gotteslob unter der Nummer 8,2:
Mein Gott, mein Erlöser, bleibe bei mir. Fern von dir müsste ich welken und verdorren. Zeigst du dich mir wieder, blühe ich auf in neuem Leben. Du bist das Licht, das nie verlöscht, die Flamme, die immer lodert. Vom Glanz deines Lichtes beschienen, werde ich selber Licht, um anderen zu leuchten. Ich bin nur wie ein Glas, durch das du den anderen scheinst. Lass mich zu deinem Ruhm deine Wahrheit und deinen Willen verkünden, – nicht durch viele Worte, sondern durch die stille Kraft der tätigen Liebe – wie deine Heiligen – durch meines Herzens aufrichtige Liebe zu dir. Amen.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf die Fürsprache Marias etwas vom Glanz des göttlichen Lichtes aufnehmen können, das heilt, das wärmt, das Hoffnung schenkt. Uns allen ein frohes Fronleichnamsfest sowie ein und ein schönes und freudiges Gemeindefest am Dom!

Ihr Kaplan Matthias Böhm

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